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Kyrgyzstan 2020 Teil 4 - Karakol, Tag 2

Dank der Zeitverschiebung von gesamt +5h ging eine recht kurze Nacht zu Ende, als wir mit dem Bus vom Flugzeug zum Terminal gebracht wurden. Dort folgte eine weitere Passkontrolle, wobei die Aufmachung deutlich russischer, aber dennoch weniger angsteinflößend war. Mit einem hübschen Stempel im Pass folgte das Hoffen auf ein vorbeirollendes snowboardähnliches Gepäckstück.  

 

Bei der Gepäckabholung angekommen fragte ich einen Polizisten nach der Ausgabestelle für Sperrgepäck als zeitgleich meine Snowboardtasche etwas unvorteilhaft auf dem normalen Gepäckband vorbeirollte. Wer sagt’s denn, alles da  

 

An einem kleinen Flughafen wird das Verlaufen zur Kunst, also war der Ausgang auch schnell gefunden. Das Begrüßungskomitee bestand hier unerwarteterweise aus unzähligen Menschen, die sich beinahe darum prügelten, wer einem ein Taxi andrehen darf. Tatsächlich konnte man keine zwei Meter laufen, ohne angequatscht zu werden. Solch eine Motivation möchte ich mal um kurz vor 5:00 morgens haben.  

 

Durch die letzten detaillierten Reiseinformationen von Ryan wusste ich, dass ein Fahrer mit einem 40 Tribes Schildchen auf uns warten sollte. Das Schild mit samt einheimischen winkte bereits vom weitem. Der Rest der Gruppe (Bartek (Polen), Barbara (Belgien), Nolwenn (Frankreich) und Nick (Neuseeland) stieß kurze Zeit später auch dazu. Ohne ein Gepäckstück zu missen ging es kurzerhand ans kollektive Geldwechseln und Wasservorräte aufstocken, bevor alles ins Auto verladen werden wollte.  

 

Selbst auf dem Weg nach draußen hatte man Mühe die zahlreichen Angebote höflich aber bestimmt abzuwimmeln, dabei ging es gerade mal um 150m bis zu unserem Kleinbus.  

Dieser bot für und Fünf + Gepäck reichlich Platz (Sprinter mit 18 Sitzen. Einzig die Eingangstür machte 20 Minuten lang Probleme, da diese weder weiter auf, noch mechanisch oder manuell wieder zugehen wollte.  

Die kirgisische Methode war schlussendlich die Türe mit dem Notausstiegshebel zu entriegeln und mit Spanngurten zwangsläufig geschlossen zu halten – Hauptsache die Sache hält irgendwie zusammen. Über den Allgemeinzustand von Fahrzeugen sollte man hier sowieso keinen Gedanken verschwenden.  

(Side Note; die Tür funktionierte, nachdem sie dem Fahrtwind einmal nicht standhielt und sich halb öffnete, wieder problemlos und wie vom Hersteller einst geplant.) 

 

Mit „geschlossener“ Türe hieß es nun sich rund 6h und 400+ Kilometer die Zeit zu vertreiben, aus dem Fenster zusehen, etwas mit sich selbst zu philosophieren und mit den anderen zu Quatschen. 

Auch mein neues Lieblingsgadget, die Bluetooth-Tastatur erfreute sich großer Beliebtheit während der Fahrt.  

 

Die Landschaft und Infrastruktur wirken äußerst fremd. Steppenartige Felder durchzogen von kahlen und schroffen Gebiergsformationen. Moderne Tankstellen, zerfallene Bauten und einfach Werkstätten, Häuser und Geschäfte zieren den Rand einer wahnsinnig breiten Straße. Hier sei kurzerhand gesagt – Schlaglöcher – JA, Bodenmarkierungen – NEIN. Allgemein scheint man sich an vier Spuren und zwei Fahrtrichtungen zu halten, wenn auch alles etwas unorganisierter wirkt. Die Fahrzeuge sind bunt gemischt, zahlreiche moderne SUVs, unzählige Lada, alte LKWs und unerwartet viele Fahrzeuge mit dem Lenkrad auf der „falschen“ Seite und ursprünglich nur für den japanischen Markt bestimmt. 

 

Wie in Ryan’s Reiseplan erwähnt gab es nach einigen Stunden einen kleinen Zwischenstopp mitten im Nirgendwo. Es ist allgemein spannend zu sehen, dass sich eine Hauptstraße durchs Land zieht, an der sich alles abspielt. Tatsächliche Dörfer und weitere Zufahrtsstraßen finden sich kaum. Das Kleine Restaurant, an dem wir hielten wirkte geschlossen, auch der Fahrer dachte dies und wollte weiterfahren, als kurzerhand ein Mann entgegenspazierte, der mit Händen und Füßen signalisierte, dass wenn wir etwas Essen möchten, doch einfach bei der Tür seitlich des Hauses hineinspazieren sollten. Tatsächlich war dort drinnen normaler Betrieb. Es wartete eine Umfangreiche Karte, teils englischsprachige Karte mit einigen traditionellen und sogar rein vegetarischen Gerichten.  

 

Gut gestärkt, einige Kaffees und rund 6€ pro Nase ärmer machten wir uns wieder auf den Weg zu Auto um uns nochmals für 2h bis nach Karakol durchschütteln zu lassen ;-) 

Selbst Karakol als große Stadt von 300k Einwohner sieht im Vergleich zum Westlichen sehr einfach und sporadisch aus. Wie auch im bisher gesehenen Land bzw. Straßenrand, die Läden und Häuser sind aufs einfachste zusammengeschraubt und einfach etwas „verbastelt“, hauptsache es Läuft.  

 

Wir stoppten vor Karakol-Coffee, wo wir auf den lokalen Hauptkontakt von Ryan und 40 Tribes trafen, und uns mitteilte, dass wir etwas spät dran seien und bestenfalls innerhalb 1h mit dem nächsten Fahrzeug weiter zum Dorf fahren sollten, wo die Gruppe von letzter Woche auf die Heimfahrt wartete. Das dafür benötigte Fahrzeug, eine Mischung aus Russisch und Eigenbau wartete bereits vor dem Café. Der Fahrer lud unsere Taschen auf ohne wirklich Hilfe von uns annehmen zu wollen. Karakol Coffee ist ein kleiner Imbiss mit hausgemachten Süßspeisen und einer großen Kaffee-, Tee-, sowie Bierauswahl und w-lan ;-). 

Anschließend sputeten wir noch zu einem kleinen Supermarkt um uns mit Snacks für die Woche einzudecken. 

 

Der Truck, der wie aus einer Zeit vor der UDSSR wirkte war auf alle Fälle abenteuerlich und bot großartigen Fahrspaß, wenn auch nur für die Mitfahrenden, denn der Fahrer hatte sichtlich zu Kämpfen das Ding auf Kurs zu halten. Der Motor ist in der Mitte des Fahrgastraumes untergebracht, lediglich von einer dicken Lederabdeckung umhüllt. Mir wurde gesagt, dass diese Fahrzeuge so einfach wie möglich aufgebaut sind, um sie stets irgendwie, mit den einfachsten Mitteln, am Laufen zu halten. 

 

Rund eine Stunde über Stock und Stein vergingen, bis wir an Nurbek‘s Haus, der zur Gastgeberfamilie und Partner von Ryan gehört ankamen. Sie bieten uns für diese Nacht Unterschlupf und Verpflegung für die Nacht, bevor es am nächsten Morgen weiter hoch zu den Jurten geht. 

 

Wir konnten kurz mit den Gästen der Vorwoche quatschen, die sichtlich erholt und mit einem Lächeln im Gesicht von einer großartigen Woche berichteten. Es folgte eine kurze Führung durch Haus und Hof, wir machten schonmal unser Equipment für den nächsten Tag bereit, um anschließend noch etwas durchs kleine Dorf zu Spazieren. Die älteste Tochter, eines von drei Kindern, begleitete uns.  

 

Nach dem Abendessen, es gab eine traditionelle Suppe mit Lamm bzw. Reis mir Ei und Gemüse für mich. Sichtlich erschlagen von der langen Anreise war es für mich bereits gegen 9:00 abends Zeit fürs Bett.  

 

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