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Japow 2019 Teil 11 - Der lange Weg nach Sapporo!

Nach einer 30-stündigen Anreise bin ich nun, zwar etwas kaputt und müde, aber zugleich absolut begeistert, in Sapporo gelandet. Ich freue mich nun einige Stunden Schlaf nachholen zu dürfen, nachdem mein Stoffwechsel gerade nichts mit der aktuellen Uhrzeit anzufangen weiß und demnach verrückt spielt - Ich glaube, das nennt man Jetlag? ;-)
Bevor es ins Bett geht, möchte ich allerdings noch unbedingt von meiner Anreise, Zwischenfällen und ersten Eindrücken berichten!


Flughafen München

Nachdem ich am Sonntagnachmittag mein Gepäck zum vierten mal praktisch und geistig gecheckt hatte, versuchte ich am Nachmittag noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen, bevor mein Tagesrhythmus vollständig versagt. 

Wie man sich denken kann, erhielt sich das Ergebnis, aufregungsbedingt, in Grenzen. Mehr oder weniger erholt beschloss ich bereits gegen Mitternacht nach München zu fahren. "Lieber zu früh und für etwaige Grenzkontrollen, Spontanschneefälle, ect. vorbereitet sein.. man weiß ja nie." redete ich mir die Situation schön. 

Entsprechend traf ich bereits gegen 4:00 morgens (Abflug 7:55) am Parkplatz ein und zog vollgepackt mit Snowboardausrüstung kurz darauf lächelnd am Terminal an einer Gruppe deutscher Pensionisten vorbei, die offensichtlich nach Gran Canaria wollten und zu der Zeit die einzig Anwesenden waren.

Von fragenden Blicken gemustert konnte man die auftretende Ratlosigkeit gut beobachten.
Man fällt eben auf, wie ich später immer wieder bemerkte.

Einige Zeit und ein kleines Nickerchen später traf das Check-In-Personal ein. 
Problemlos wurden sowohl mein Koffer, als auch der Rucksack, der genaugenommen rund 10cm zu lang wäre, als Handgepäckstücke akzeptiert und ich musste mich bloß von der Snowboardtasche trennen.  


Der Sicherheitscheck verlief weitaus einfacher und unproblematischer, als erwartet. Trotz Snowboardhose mit zahlreichen möglichen Verstecken und gefühlt hunderten Reißverschlüssen konnte ich passieren. Auch der Koffer und nichtmal der Lawinenrucksack inkl. Gaskartusche machten ansatzweise  Probleme.

Beim Airbag-Rucksack wurde kurz nachgefragt, ob es sich um einen solchen handle, was ich bestätigte und kurz die abgeschraubte und gesicherte Kartusche vorzeigte.


Flughafen London Heathrow

Pünktlich um 7:55 startete die Maschine in MUC und landete nach weniger als zwei Stunden völlig unspektakulär in London Heathrow. 

Da die Snowboardtasche in Tokio durchgecheckt wurde, konnte ich direkt, den violetten Maserungen entlang das Flugzeug Richtung Anschlussflüge verlassen. 

 

Bevor man zu den weiteren Gates gelangt muss man eine weitere Pass- und Sicherheitskontrolle über sich ergehen lassen. Da mein Anschlussflug erst gegen 10:50 Ortszeit (11:50 MUC) startete, blieb dafür glücklicherweise ausreichend Zeit.

Nach erfolgreicher Passkontrolle, wer hätte es sich gedacht, darf man kurz darauf sein Handgepäck in Elektronik, Flüssigkeiten und Wäsche zerteilen und zum Sicherheitscheck schieben. In London war es leider nicht ganz so entspannt, aber auch weitaus gewissenhafter, als in München. Meine Hose machte mehrere Probleme. Mein Angebot mich dieser zu entledigen wurde dankend abgelehnt und durch akkurates Abtasten kompensiert. 

Der Koffer mit Kleidung und Elektronik passierte den Scan unauffällig, dafür sorge der Rucksack, im Besonderen die Kartusche für Aufsehen.  Entsprechend kam ich kurz in den Genuss wie es sich anfühlen müsste unter terrorverdacht zu stehen, da unverzüglich weiteres Personal auf mich zukam und mich umfassend belehren und befragen wollte.

Nach kurzer Diskussion und vorzeigen der Datenblätter von Rucksack und Kartusche, sowie der ausgedruckten Kommunikation mit BA zur Voranmeldung, entspannte sich die Lage glücklicherweise rasch wieder. Es wurden noch Abstriche für Sprengstoff- und Rauschmitteltests von allen Einzelstücken genommen und ich durfte endlich zum Gate.  ".... nach der Aufregung erstmal Zeit für Tee!" 


Der erste Langstreckenflug

Wie auch in München, begannen Boarding und Abflug in Heathrow  pünktlich. Bereits 24h vor Abflug bestand bei BA die Möglichkeit, online den Sitzplatz zu reservieren. Glücklicherweise konnte ich mir einen der besten Sitzplätze in der Boeing 777-300 sichern. Direkt nach den Premiumreihen folgen Sitzreihen mit zwei und danach drei Sitzen zu jeder Seite. Entsprechend genoss ich tatsächlich unendlichen Fußraum.

Meine Flug - bzw. Passagiererfahrung ist mehr als überschaubar, zuletzt flog ich in den Türkeiurlaub mit meinen Eltern, auch bereits 12 Jahre her. Geprägt durch diese wenigen und auch nicht besonders guten Erfahrungen betrat ich den Flieger mit doch eher gemischten Gefühlen. 

 

Beinfreiheit, eine große Film-, Serien- und Musikauswahl als Alternative zu den selbst mitgebrachten Büchern, regelmäßige Versorgung mit Wasser und Tee durch freundliches und zuvorkommendes Personal, ... man sieht, ich wurde vom Gegenteil überzeugt.  Selbst das vielbekrittelte Flugzeugessen, war absolut genießbar und nicht mal schlecht.

Ich hielt mich an den Tipp aus dem Internet, vorab ein Spezialmenü (halal, koscher, ... , in meinem Falle Vegan) zu bestellen, obwohl die standardmäßig angebotene vegetarische Option für mich absolut ok gewesen wäre.
Der Vorteil ist, dass diese Spezialmenüs in kleinerer Stückzahl und tendenziell frischer, sowie vollwertiger zubereitet werden. Durch die Sonderbehandlung erhält man das Menü auch als einer der ersten an Board.


Tokio Haneda,

Den zwölfstündigen Fug überstand ich zu meiner eigenen Überraschung weitaus besser als erwartet und konnte dabei sogar durch einige kurze Nickerchen etwas Schlaf gutmachen.
Pünktlich um 7:30 Ortszeit in Tokio gelandet, gab es diesmal etwas mehr zu tun: Snowboards abholen, durch Pass- und Zollkontrolle, Aufenthaltsgenehmigung, Gate wechseln, Board einchecken und meine Liebnlingsdisziplin, der Sicherheitscheck. - Das alles innerhalb eines Fensters von 1h35. 

 

Bereits vor Reiseantritt und geprägt durch keinerlei Erfahrung zählte zu meinen größten Sorgen, dass mein eingechecktes Gepäck und somit Board, Boots, LVS-Ausrüstung, etc. falsch abbiegt und ich so eine temporäre oder dauerhaft etwas bescheidene Situation hätte.
Nach der Passkontrolle wandte ich mich an einen der zahlreichen Flughafenmitarbeitern um herauszufinden, wo Sperrgepäck angeliefert wird. Grundsätzlich bestätigt sich, dass English zwar wenig und schlecht gesprochen, dafür aber recht gut verstanden wird. Entsprechend wurde mir in diesem Falle mit beeindruckender Freundlichkeit mit wenigen Worten, dafür viel Zeichensprache der Weg beschrieben.

Entspanntes Durchatmen nach kurzer Anspannung, eine grüne Tasche rollt herein, meine Ausrüstung entgegen aller meiner pessimistischen Befürchtungen, ist mit mir in Japan gelandet. Da mich der Zoll nicht aufhielt konnte ich die Boards beim nächsten JAL Schalter auch schon wieder aufgeben und einen Boardingpass abholen.
Wiederum freundlichst erklärte mir der Mitarbeiter mit malerischen Handbewegungen den Weg zum Gate.
Einmal nach unten, zur Busstation 0, zum Terminal 1 und rauf (?) zum Gate 24.

"Alles klar, auf gehts", dachte ich mir und fragte mich am Terminal angekommen weiter zum Gate, die Beschriftung ist, wenn vorhanden,  leider nicht ganz so einfach und selbsterklärend.

 

Sicherheit geht vor, also durfte man natürlich nochmals durch die gewohnten Kontrollen. 

Wer hätte es gedacht, beim Scan des Rucksacks wurden die Augen des Personals wieder größer und das mittlerweile bekannte tuscheln begann. Ich öffnete den Rucksack, erklärte die Situation und zeigte meine Dokumente und den Schriftverkehr mit JAL und BA. Mit Kartusche und meinen Zetteln bewaffnet verschwand ein junger Mann des Flughafenpersonals. 25 Minuten bis zum Abflug, die Uhr tickte und meine Anspannung stieg. 

Ich konnte beobachten, wie der Mitarbeiter mit einer Dame von JAL herumspazierte um die vermeintlich problematische Situation zu klären. 

10 Minuten vor Abflug hieß es "all oki" und ich konnte im Laufschritt, meinen Krempel zusammenpackend, den Gate suchen. Rund einen Kilometer später schaffte ich es noch pünktlich zum Boarding.

Durchaus verschwitzt und außer Atem setzte ich mich an meinen Platz. An Board befanden sich überwiegend japanische Passagiere, sowie eine heimische Crew. Beeindruckend, die Passagiere betraten diszipliniert das Flugzeug, verstauten ihre Koffer, die Gurtschnalle klickte und es herrschte Ruhe. Eine Stewardess kontrollierte darauf die Gurte und schloss dabei die Kofferablagen oberhalb. Anzumerken hierbei ist, dass der Schnappverschluss zum Öffnen der Klappe beim Schließen gedrückt wird, um ein lautes klicken zu vermeiden. Es mögen Kleinigkeiten sein, dennoch zeigt sich ein spürbarer unterschied zu den vorherigen Flügen. 


Chitose und Sapporo

An Board wurde Kaffee und Tee ausgeschenkt und bevor der Becher leer war, begann auch schon der Landeanflug. 

In Chitose angekommen konnte ich nach kurzem Warten meine Snowboardtasche entgegennehmen und erstmalig einen Blick reinwerfen. Alles in Takt und vorhanden, was will man mehr ;-)

Weiter ging es mit dem Zug zum Hauptbahnhof Sapporo, rund 40 Minuten entfernt. Beim Ticketkauf herrscht kurzzeitige Ahnungslosigkeit. Es wird in Japan kein Ticket für ein Ziel, sondern über die Kosten der Strecke gelöst.
An einer Tafel stehen die verschiedenen Stationen mit zugeordnetem Preis. Am Ticketautomat wird anschließend ein Ticket über diese Summe geordert.

 

Während der Zugfahrt realisierte ich erstmalig in Japan, doch einige Kilometer von Zuhause entfernt, angekommen zu sein. Die Landschaft durchzogen von wenigen Feldern und Birkenwäldern, finden sich schneebedeckte Straßen an deren Seiten sich der Schnee bereits stellenweise meterhoch ansammelte und kleine Häuschen.  -10°C, Sonnenschein zeigte eine Info am Bahnhof Sapporo. 


Hotel und erste Eindrücke

Mit einer Wegbeschreibung aus Google Maps in Händen, machte ich mich auf die Suche nach dem Hotel, welches eigentlich bloß 800m, einmal links und dann geradeaus entfernt lag. Da ich mir zu geizig war, auch die Karte auszudrucken, fand ich, nach etwas herumirren und zweimaligem Nachfragen, zum Hotel.

 

Das Zimmer wäre erst gegen 15:00 bezugsbereit, man kümmere sich aber gerne um mein Gepäck, wurde mir beim Check-In erklärt. Glücklicherweise traf am Vortag mein mobiler W-Lan Hotspot ein, so war ich wieder online, Google Maps, dein Freund und Helfer ;-)!
Das Angebot, in einem der oberen Stockwerke Onsen und weitere Entspannungsmöglichkeiten zu nutzen wurde nach meiner Beichte, doch einige Tätowierungen zu besitzen freundlichst zurückgezogen. Eine der vielen vermeintlichen kulturellen Eigenheiten, die ich gerne wahre und respektiere, was soll man machen. Es war kurz nach 12, also vertrat ich mir die Füße, erkundete die Stadt. Für die ersten Eindrücke lasse ich nun einfach Bilder sprechen.
Morgen wird der Leihwagen (ein Kei-Car.. yeah!) abgeholt und es geht weiter Richtung Biei! - Gute Nacht! 

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Kommentare: 3
  • #1

    Vanessa Deko (Dienstag, 22 Januar 2019 20:04)

    Hi, super tolle Fotos! Echt eine andere Welt �
    LG und viel Spaß

  • #2

    Erika P. (Mittwoch, 23 Januar 2019 11:51)

    spannender Reisebericht, freue mich schon auf morgen.

  • #3

    Birgit (Donnerstag, 24 Januar 2019 14:10)

    Toller Bericht - sehr inspirierend- und Respekt für deine Disziplin, dies nach der langen Reise so ausführlich zu posten ! Viel Spaß noch !